Nudge am 28.10.2010

Achtung: Neue GEHZ-Gebühren-Regelung

in Witziges | Tags: Gebühren, Internet, TV

Sehr geehrter Bürger,

wenn Sie diesen Beitrag lesen, ist es schon zu spät. Denn “ohne besonderen technischen Aufwand” haben ihre Augen einen per Internet veröffentlichten Beitrag erfasst! Diese Erfassung wird von allen (durch uns empfohlenen) Gerichten sehr weitläufig interpretiert. Sie gilt demnach grundsätzlich als Empfang nicht-privatkommerziell-finanzierter medialer Inhalte über sämtliche Medien und Sinnes-Organe und ist daher in jedem Falle steuerpflichtig.

Aber – sie können sich von unserer Gebühr befreien lassen. Dabei müssen Sie nur angeben, dass Sie weder hören, riechen noch sehen können und/oder keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, kein Auto fahren, keine Werbung auf Plakaten oder In-Train-TVs konsumieren oder einen Fahrrad-Computer, ein Handy, Korkenzieher oder ein GPS-Gerät besitzen. Selbstverständlich gilt dabei auch die Nachbarschaftsklausel, d.h. Sie sollten keine Möglichkeit haben, den Fernseher ihres Nachbarn zu hören oder in der Straße gegenüber flimmern zu sehen. Unsere Spi, äh Außendienst-Mitarbeiter drücken dabei auch gern mal ein Auge zu.

Neu ist ebenso die Auslandsregelung. Diese war uns schon immer ein Dorn im Auge. Als Deutscher im Ausland haben Sie ja nun auch über das Internet die Möglichkeit, Claus Cleber und Konsorten in Timbuktu zu konsumieren. Daher haben wir ein transatlantisches Gebühren-Bündnis geschlossen: Da sie “ohne besonderen technischen Aufwand” auch amerikanische Medien erreichen, müssen wir Ihnen hier ganz klar unterstellen: Sie konsumieren parallel! Wer Multitasking-Betriebssysteme einsetzt, handelt also zunächst grundsätzlich gesetzwidrig, kann aber durch die Zahlung von Ablass, äh Gebühren sämtlicher an das Internet angeschlossener oder potentiell per Googlemaps erfasster Länder dies – auch in jeder katholischen Filiale – auf einfache Weise richtigstellen. Unserer Allianz gegen mediale Selbstbestimmung sind bereits 168 Länder beigetreten, und täglich werden es mehr! Eine einfache Welt-Kultur-Flatrate können Sie schon ab 5,76 Euro pro Sendestaat – also bereits unter 700 Euro im Monat – erwerben!

Sehen Sie, wir wollen ihnen nichts Böses. Nur etwas Bildung beibringen. Statt blöder Talkshows und DSDS geben wir Ihnen langweilige Polit-Talkshows und Florian Silbereisen – den können Sie aber nicht rausvoten! Also im Klartext: Wir möchten auch nur etwas Kohle vom Markt abhaben, wir möchten auch die neuen digitalen HDTV-Kameras, große Studios, riesige Glamour-Partys mit Schampus – wie bei den Privaten auch. Also gönnen Sie uns doch mal was! Auch wenn Sie unsere Programme nicht nutzen wollen. Das müssen Sie doch verstehen, oder?

Nudge am 20.02.2010

Noch ein bißchen IPv4?

in Netzwerk | Tags: IANA, Internet, IP, IPv4, IPv6, NAT

Während der Recherche nach aktuellen IPv6-Themen ist mir aufgefallen, dass die IANA noch zwei recht große Blöcke von IPv4-Adressen reserviert hält und deren Benutzung blockiert.

Zum einen ist dies der Block 224.0.0.0/4 und dessen Zwilling 240.0.0.0/4. Wenn man genau hinschaut, sind diese beiden sogar zusammenhängend. Es handelt also in Wirklichkeit um einen richtig großen Block: Nämlich alle IP-Adressen, die mit der Zahl 224 oder größer beginnen, also von 224.0.0.0 bis zur global Broadcast-Adresse 255.255.255.255. Insgesamt reden wir über die stattliche Anzahl einer viertel Milliarde IP-Adressen.

Wenn man bedenkt, dass wohl jede größere Institution, die nicht schon während der 80er Jahre mit vollen Händen aus dem Adress-Pool schöpfte, sein internes Netzwerk per NAT betreibt, tun sich da gewaltige Untiefen auf. Nehmen wir nur mal an, dass man jedem der 5 großen Kontinente davon 50 Millionen Adressen übertragen könnte. Sei die Hälfte davon per NAT multipliziert, so ergäbe sich bei einer durchschnittlichen internen Netzwerk-Größe von 50 Hosts ein Volumen von (5 * 25 Mio * 50 Hosts) etwa 6 Milliarden zusätzlichen am Internet teilnehmenden Hosts. Soviel Traffic müssten die Backbones erstmal verarbeiten können. 🙂

Jetzt fragt man sich natürlich, wie von 6 Milliarden Menschen, die diese Erde zur Zeit bewohnen, 6 Milliarden zusätzlich im Internet rumhängen sollen. Man muss ja auch mal schlafen zwischendurch. Andersherum gefragt: Wer tut dies denn eigentlich noch nicht? So gesehen könnte die IANA wirkliche Entwicklungshilfe leisten und mindestens zwei größere Blöcke an Afrika oder Indien verschenken. China wäre auch ein guter Kandidat für neuen Bedarf, fährt aber bereits eine spezielle Eigenentwicklung der Variante IPvMao, wo der Content-Filter bereits als Makro im IP-Header implementiert ist. 😉

Aber vielleicht erwärmen sich die amerikanischen Herzen noch einmal – und selbst der bisher namenlose ZDF-Biber bekäme noch seine eigene IP-Adresse (Ich bin ja für Whistler, das weiß man wenigstens, woher er kommen sollte).