Nudge am 08.11.2015

Ubuntu 15.10 auf einem Barebone Shuttle XS35 installieren

in Linux | Tags: Barebone, Funktastatur, HDMI, Kubuntu, nvidia, pavucontrol, Shuttle, Sound, ssdm, Ubuntu

Vor langer Zeit hatte ich mir mal ein Barebone Shuttle XS35 zugelegt. Absolut Lautlos (ohne Lüfter und mit SSD) und einer nvidia-Grafikkarte mit HDMI, sollte dies so eine Art Medienserver für den Fernseher werden. Allerdings hatte ich das Ding nie wirklich fertig installiert. Zum Beispiel funktionierte Sound über HDMI noch nicht. Daher kam das Gerät kaum zum Einsatz. Und so schlummerte darauf seit dem ein vor sich hin rostendes Debian Testing. Ich hatte das damals installiert, weil ich mir auf dem Gerät keine Release-Upgrades geben wollte. Und Debian Testing ist dafür gut geeignet: Es bietet Rolling Release und fast ähnlich aktuelle Software wie ein frisches Ubuntu. Aber nun war es Zeit  – wenn die Frau schon mal Freitags abend weggeht – für eine Generalüberholung, und zwar gleich mit Ubuntu 15.10. Wie das klappte und was es zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Hardware

Am Shuttle arbeitete ich mit einer Logitech K400 Funktastatur mit Touchpad. Das ist absolut kein Vergleich mit einer guten Tastatur und vor allem das Touchpad ist unterirdisch, aber für gelegentliche Aufgaben, die man nicht über ssh lösen kann, reicht sie aus. Ich öffnete den Schrank, in dem der Shuttle steht, und aha, es fehlte der kleine USB-Empfänger, der sonst dort immer steckte. Grrr. Da mein Sohn schon schlief, verzichtete ich auf die sonst anstehende Erziehungsmaßnahme und suchte nach Alternativen. Das sollte doch dieses tolle Vorhaben nicht verhindern! Mit einer Funkmaus und einer Kabeltastatur, die ich in einer Kiste unter dem Bett fand, legte ich los. Dann sitze ich halt nicht auf dem Sofa…

System-Installation

Zunächst brauchte ich mal ein Installationsmedium. Also schnell ein Netinst-Image gezogen und das knapp 40 MB große ISO-File auf eine CD gebrannt. Wow, ich fand sogar noch Rohlinge im Schrank. K3B verrichtete wie gewohnt ohne Probleme seinen Dienst. Schnell die CD im Shuttle eingelegt und kurz gebootet, und schon ging nichts mehr: Die Netzwerkkarte wird nicht erkannt. Na super. Also wieder das alte System gestartet, und mit lspci und lsmod fand ich heraus, dass hier eine JMicron JMC250 per Kernel-Modul namens jme.ko werkelte. Das entsprechende Modul war halt nicht auf der Installations-CD enthalten. Also mal schnell ein Server-ISO gezogen (das Desktop-Image ließ sich bei mir nicht auf Double-Layer DVDs brennen), weil da ja mehr drauf ist. Aber Pustekuchen: Auch dort keine weiteren Treiber. Also musste ich das Paket linux-image-extra-4.2.0-16 ziehen (Achtung: Installations-Version nehmen!), entpacken, und die darin enthaltene Datei jme.ko auf einen USB-Stick kopieren. Reboot des Shuttle, USB-Stick rein, gemountet, Modul geladen. Bumm: Basis-Modul mii.ko fehlte. Damn, daran hätte ichdoch gleich denken können. Paket linux-image-generic-4.2.0-16 gezogen, entpackt und Modul mii.ko noch auf den Stick kopiert. Wieder Shuttle-Reboot, CD und USB-Stick eingelegt, USB-Stick eingebunden, Module mit insmod lokal geladen und los ging’s endlich (21:45 Uhr). Nach ein paar gewohnten Basis-Angaben erschien eine gut gefüllte Liste im Tasksel, und mit den Angaben ssh-Server und Kubuntu (das muss sein! :-)) startete die recht lang wirkende Installation.

Grafik-Ausgabe auf der nvidia GT218 ION

Während der gesamten Prozedur war der Shuttle bereits per HDMI am Fernseher angeschlossen. Das Booten und der Textmodus funktionierten einwandfrei. Nach der Installation von X und KDE ging es ebenso reibungslos weiter. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich zuletzt an VDPAU  gearbeitet hatte, damit Videos ruckelfrei übertragen werden. Also brauchte ich am besten den propriäteren nvidia-Treiber für die eingebaute nvidia GT218 ION. Coole Sache, dafür reicht mittlerweile ein beherztes

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$ sudo ubuntu-drivers autoinstall
$ sudo ubuntu-drivers autoinstall

Damit wird ein Paket namens nvidia-340 aus einem separaten Repository installiert. Nun ein kurzes Reboot, und schon war die Kiste mit OpenGL und allen 2D-Beschleunigungen der Welt unterwegs. Das einzige Problem lag nun in der vom X erkannten DPI-Zahl. Diese führte zu einer absolut unleserlich kleinen Schriftart. Das Problem ist weit bekannt, und es gab historisch über verschiedene Versionen von Ubuntu diverse Lösungen. Mit dem neuen Display Manager ssdm, der lightdm ersetzt, gibt es allerdings bisher keine Möglichkeit, die DPI manuell zu konfigurieren. Den Aufruf des X-Servers selbst habe ich in der Datei /etc/X11/xinit/xserverrc mit der Option -dpi 96 ergänzt (in einer Konsole mit randr vorher probiert), und so funktioniert zumindest meine Session gut, wenn ich mich vorher blindlings eingeloggt habe. Aber für das System ist eh ein Autologin geplant. Alternativ kann man in der KDE-Systemeinstellung für Fonts eine Standard-DPI von 96 festlegen. (23:35 Uhr)

Sound-Ausgabe per HDMI

Nun zur eigentlichen Weltverbesserungsaufgabe, nämlich endlich einen funktionierenden Sound per HDMI an den Fernseher zu bekommen. Das war nicht ganz einfach. Denn wie ich es auch drehte, es kam nix an. Zunächst gab aplay -l nicht mal an, dass es überhaupt ein HDMI-Gerät gibt. Um dies zu erreichen, muss man dem Kernel eine Boot-Option namens “nvidia.audio=1” übergeben. Also schnell die grub-Konfiguration angepasst, update-grub aufgerufen und wieder neu gebootet. Nun endlich erschien das Gerät. In der KDE-Systemeinstellung wählte ich danach Digital Stereo Nvidia HDMI als erstes Gerät für die Wiedergabe aus. So klappt es in der Regel auch per HDMI von meinem X1. Doch wieder nichts, der Test schwieg. War vielleicht der oder die Regel auf stumm geschaltet? Und was war dieser ominöse Unterschied zwischen den Ausgängen Lautsprecher und Kopfhörer? Mit alsamixer -c 1 versuchte ich alles hochzufahren, was ging. Dort gab es aber nur 4 nicht weiter regelbare Schalter, die alle auf “ON” standen. Der Test schwieg weiterhin. Warum waren es überhaupt 4?

Wieder verriet aplay -l die Ursache: Das Gerät für HDMI erschien nicht nur einmal, sondern gleich 4 mal. Aha. Warum nur? Nach etlichen Google-Suchen eine Spur: Das Programm pavucontrol soll wohl bei einigen für Abhilfe geschafft haben. Mit pavucontrol war es möglich – eigentlich ganz analog zur KDE-Systemeinstellung oder dem Lautstärke-Regler im System Tray – die Lautstärke pro Ausgang zu steuern. Oder anders: Es gab eine Lautstärke-Steuerung, und eine Auswahl des aktiven Ausgangs. Und siehe da: Dort stand bei HDMI ein Zusatz “(unplugged)” und bei HDMI 2 “(wired)”. Okay… Also HDMI 2 aktiviert, und schon kam bester Sound am Fernseher an. Na das hatte sich gelohnt! (00:52 Uhr)

Fazit

Ich war alle, und brauchte Schlaf. Aber ich wusste, dass ich demnächst einen wohl funktionierenden Rechner in Betrieb nehmen konnte, und das fühlte sich gut an. Als letztes verband ich noch das Laufwerk der NAS. Ein erster Test spielte in HD ruckelfrei und mit Ton ab. Puh, meine Ehre als IT-Ehemann und -Papa war gerettet. Und dann bestellte mir noch einen Ersatz-USB-Empfänger für die Tastatur – sicher ist sicher.

 


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