Nudge am 19.11.2014

Quality Week!

in Projektmanagement | Tags: Engpass-Theorie, Kanban, QA, Qualität

Gestern habe ich mal wieder eine Quality Week ausgerufen. Von Zeit zu Zeit kommt es nämlich vor, dass bei uns im Team diverse Tickets in einem quasi-fertigen Zustand verharren. Sie warten dann auf eine interne Qualitätskontrolle, die bei uns QA genannt wird. Sichtbar wird das ganz deutlich, wenn die QA-Spalte am Kanban-Board förmlich überquillt und man schon gar keine neuen Tickets mehr dort hineinhängen kann, ohne andere herunterzuschubsen.

In der Quality Week dürfen solange keine neuen Tickets bearbeitet werden, bis alle Tickets ab QA abgearbeitet sind. Das bedeutet auch, diese offenen Dinge letztlich durch die Phasen Deployment, Externe QA und Done zu einem gütlichen Ende zu führen. Dafür habe ich ein – hoffentlich motivierendes – Poster gemalt, welches die vorigen Spalten (Freigabe, Offen, Blockiert, in Arbeit) überdeckt. Ha! 🙂 Seht selbst:

quality_week_kanban_board

Das Problem ist eigentlich nicht neu. Und manche der Tickets schleppen wir schon eine Weile herum. Unser großes Dilemma ist, dass wir zuviele Projekte und damit auch Product Owner in einem Team behandeln müssen. Dadurch jonglieren wir mit der Projektzuordnung und bleiben immer wieder in unfertigen Zuständen stehen. Ein Problem der derzeitigen Teamgröße. Noch ^^.

Auf der anderen Seite kostet eine QA eigentlich und in der Regel wenig Zeit, nur etwas Überwindung. Ich vermute, dass es eine psychologische Ursache gibt, warum sich Entwickler statt einer QA lieber ein neues Ticket ziehen, auch wenn sie dabei gegen die grundlegendste aller Kanban-Regeln, dem Pull-Prinzip, verstoßen: Zunächst ist die Auswahl größer. Der Entwickler kann also ein Ticket seiner Lieblingskomponente oder -aufgabe wählen. Sozusagen eine Rosine aus dem Kuchen picken. Auf der anderen Seite scheint die nach außen wirksame Produktivität höher, wenn ein – vielleicht lange – wartendes Ticket in Arbeit geht. So bekommt der Auftraggeber positives Feedback, und der Entwickler kann sagen “Gleich fertig!”, wenn er gefragt wird, wo ein Ticket steht.

Dabei wollen wir doch die Phasen in Arbeit und QA doch in gewisser Weise minimieren, um den optimalen Durchlauf (nach der Engpass-Theorie) zu erreichen. Dafür müssen wir aber vermutlich die Incentivierung ändern, also mit Entwicklern darüber sprechen, dass QA im Prinzip wichtiger ist als die Bearbeitung neuer Aufgaben, dass er in diesen Momenten produktiver ist (denn der Wert eines Tickets entsteht erst im Zustand Done!) und dass wir dies auch so wahrnehmen und wertschätzen. Und wir müssen auch bei den Auftraggebern um das Verständnis werben, dass Qualitätsarbeit Zeit benötigt.


Das mark ich mir: Alltagz Mr Wong Yigg Del.icio.us Yahoo MyWeb Blinklist Google folkd
 

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