Nudge am 06.02.2014

Perlen einer Programmierer-Historie

in Philosophisches, Witziges | Tags: Müll, NAS, Software

Es ist wirklich witzig, eine NAS zu besitzen.

Nicht nur, dass man nach einem Urlaub sorgenfrei alle Fotos und Videos einfach rüberschaufelt, ohne sie mühevoll auszusortieren. Und später, in gemütlicher Runde, schaut man sich gelangweilt diverse verwackelte Duplikate des gleichen Motivs an. Für Generationen von Vorgänger-Rechnern findet man ebenso noch nach Jahren einen damals schwer benötigten nvidia-Treiber. Oder ganze Sammlungen von Images virtueller Maschinen, die man eigentlich nie mehr als nur darum startete, weil man es kann. Und schließlich erkennt man auch seine durch die diversen IBM-Seriennummern gekennzeichneten finanziellen Errungenschaften des Erwachsenwerdens. Bei  mir war es gleich dreimal Schrott aus der R-Reihe.

Nein, so eine NAS ist auch ein Kaleidoskop der eigenen jugendlich-naiven Vergangenheit als Software-Entwickler. So habe ich gerade bei einem kleinen Sortiervorgang diverse (eigene) Altsoftware gefunden. Angefangen von einem Turbo-Pascal-5.0-Verzeichnis mit spinnigen Kleinstkunstodien aus ganz frühen Zeiten, über Apache 1.3.9, PHP 4.04 und MySQL 3.23 bis hin zu Cheat Sheets längst vergangener Spiele.

Mannomann, das waren noch Zeiten. Versionskontrolle in heimischen Gefilden hieß damals für mich noch, seinen Sourcecode in regelmäßigen Abständen zu zippen (später mit tar und gz). Und ein Makefile war fast schon dasselbe wie heute ein CI-Server. Sehr witzig sind damals auch schon “sprechende Bezeichnungen” gewesen: Der Ordner “diskette” zum Beispiel – ganz klar. 😉 Heute würde man vermutlich jemanden dafür öffentlich auspeitschen.

Auch erschreckend: Im Zuge der aktuellen Debatte über die NSA-Überwachung verwunderlich, dass man damals ganze Sammlungen von “Crackz” oder Key-Generatoren installierte, natürlich binär. Oder man hat sie direkt ausgeführt. Um Plattenplatz zu sparen. Da würde ich ungern Administrator meiner eigenen Vergangenheit sein. Also sollte noch jemand Interesse an museumsreifen Binaries haben – ich hätte da noch was da…

Meine NAS ist eigentlich zu groß. Ich brauche sie im Prinzip gar nicht zu bereinigen. Man kippt einfach alles gedankenlos drauf, so ein bißchen wie auf die Müllberge vor den Toren der Zivilisation. Es ist Müll der Informationsgesellschaft. Den dürfen meine Enkel dann später entsorgen, wie im richtigen Leben. Zum Glück geht das einfach durch Löschen.


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One response to “Perlen einer Programmierer-Historie”

  1. Nudge says:

    Jetzt fällt mir wieder ein, warum ich eigentlich auf die NAS geschaut hat, bevor ich den Artikel begann. Ich suchte nach altem Quellcode für einen SOAP-Client…

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